Biologische Vielfalt


Allgemein

Die biologische Vielfalt, deren biologischer, ästhetischer und genetischer Wert unschätzbar ist, hat eine große Bedeutung für unseren Ort. Wir haben die moralische Verpflichtung, verantwortungsbewusst mit unserer Natur umzugehen, um diese für zukünftige Generationen zu erhalten. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte kam es zu Beeinträchtigungen der Natur, indem viele Grünbestände verloren gingen, Flächen durch Bebauung versiegelt wurden oder im Zuge von Straßenbaumaßnahmen teilweise nicht auf den Erhalt oder die Erneuerung von Grünbeständen geachtet wurde.
Gatersleben hat jedoch bis heute seinen dörflichen Charakter erhalten und wird durch landwirtschaftliche Höfe, Rathaus, Dorfkirche, Randbebauung mit großen, rückwärtigen Gärten und Obstwiesen, Weiden und Ackerflächen an den Ortsrändern geprägt.
Die angestrebte Dorferneuerung hat sich nicht nur auf die Sanierung alter Bausubstanz, die Neupflasterung von Straßen und Plätzen oder einzelne Begrünungsmaßnahmen beschränkt. Vielmehr wurden intensive Maßnahmen zum Schutz und zur Verbesserung von Boden und Wasser, zur Erhaltung und Entwicklung der dorftypischen Flora und Fauna, der Eigenart und Schönheit unseres Dorfes getroffen und eingeleitet. Es gibt heute wieder geschlossene Baumreihen entlang der Straßen, z.B. "Am Schwabeplan" und in der "Langen Straße". Die Gestaltungsqualität, die Vegetationsart und Vielfalt der öffentlichen Grünflächen haben wieder an Bedeutung zugenommen.


Erhalt und Pflege des Grünbestandes

Die Gemeinde ist stets bemüht, den Grünbestand nachhaltig zu bewahren, zu pflegen, zu schützen und zu erweitern. Viele alte Bäume, die ein Alter von mehreren hundert Jahren haben, prägen unseren Ort. Sie sind wichtigen herausragende Grünelemente und prägen Häuser, Plätze und Straßen. Sie zeigen auch, wie sehr unsere Bürger mit ihrem Ort verbunden sind. Es erfolgt auch heute noch eine ständige Eingrünung des Dorfes mit überwiegend einheimischen, standortgerechten Bäumen und Sträuchern.
So wurden in den letzten 10 Jahren allein von der Gemeinde fast 500 Bäume und 870 Sträucher in unserer Ortslage und in der Feldflur 630 Bäume und 150 Sträucher gepflanzt. Die Jagdgenossenschaft gibt seit ihrer Gründung 1991 den Insekten und Kleintieren einen Lebensraum, indem sie bisher über 3.500 Bäume in Remisen und der Fasanerie pflanzte.

Gatersleben ist inmitten von Grün eingebettet und ist ein großer Sauerstoffspender. Es dient der Lärm- und Staubbindung. Betrachtet man Gatersleben aus der Vogelperspektive, so wird man feststellen, dass es einer der grünsten Orte unseres Landkreises ist. Die Bäume sind uns wichtig und heilig. Allerdings birgt die Problematik der alten Bäume im Uferbereich von Selke und Mühlgraben auch ein gewisses Konfliktpotential in sich. Der Umweltausschuss der Gemeinde beschäftigt sich u.a. mit dem Erhalt des Grünbestandes. In diesem Gremium sitzen neben Gemeinderäten auch ehrenamtlich tätige Bürger und arbeiten aktiv mit. Regelmäßig finden Ortsbegehungen statt, bei denen die Nähe zu unseren Bürgern gesucht wird und diese auch bei bevorstehenden Änderungen ihre Meinung äußern und einbringen können. Nicht immer ist es dem Ausschuss möglich, den Baumbestand in jedem Fall zu erhalten. Jedoch folgen nach unvermeidlichen Baumfällungen Ersatzpflanzungen von einem oder mehreren Bäumen der selben Art. Dies geschieht überwiegend an öffentlichen Stellen. Aber auch unsere Bürger leisten Ersatzpflanzungen, sei es im öffentlichen oder privaten Bereich. Damit identifizieren sie sich mit unserem Ort und übernehmen Verantwortung.


Straßenbegleitgrün

Bei jeder Straßenausbaumaßnahme wird an Grünflächen gedacht. Ein sehr gelungenes Beispiel ist der Ober-/Unterdamm. Dort wurde 1998 eine sehr gelungene Grünanlage mit Blumenbeeten als straßenbegleitendes Element angelegt. Die Wünsche der Bürger wurden bei der Gestaltung berücksichtigt. Heute pflegen viele Anwohner diese Grünanlagen selbst und übernehmen damit auch Eigenverantwortung. Im Zuge der Gestaltung unseres Bahnhofsvorplatzes im Jahr 2000 wurden 19 Bäume und 110 Sträucher neu gepflanzt. Im Jahr 2000 erfolgte auch die Anlegung von Grünflächen auf dem Sportplatz, die mit Bäumen wie Spitzahorn, Robinie und Winterlinde, sowie mit 87 Sträuchern bepflanzt wurden. An der Planung dieses Vorhabens wurden die Mitglieder des Sportvereins beteiligt. Weitere zusätzliche Grünflächen wurden entlang der Hühnerbrücke und am Parkplatz an der Selkebrücke geschaffen. Im Bereich Hühnerbrücke wurden Rasenflächen angelegt und 5 Ebereschen als straßenbegleitendes Grün gepflanzt. Dies alles fördert die Wohn- und Lebensqualität in Gatersleben nachhaltig.

An der Stelle des jetzigen Parkplatzes an der großen Selkebrücke stand bis zum Jahr 2000 noch ein altes baufälliges Haus. Die Gemeinde hat dieses Grundstück vom Eigentümer käuflich erworben und das Haus abgerissen. Dort wurde dann ein Parkplatz aus Rasengittersteinen angelegt, der mit einheimischen Bäumen und Sträuchern eingefriedet wurde. Die aufgestellten Bänke laden zur Erholung ein. Auch an anderen diversen Stellen des Ortes wurden zahlreiche Bänke aufgestellt. Von unseren Senioren wurde dies besonders begrüßt.

Mit dem Bau des Spielplatzes hinter dem Marktplatz umgeben von viel Grün wurde eine weitere Freifläche, abseits von Straße und Verkehr, für unsere Kinder geschaffen.

Wir leben auf dem Land mit allen Vor- und Nachteilen. Bei uns findet man immer noch vorrangig liebevoll gestaltete Nutzgärten. Die vielen privaten Gärten unseres Ortes zeugen von viel Farbe und Individualität. Sehr ehrgeizig gestalten unsere Bürger ihre Haus-, Vor- und Nutzgärten. Der ländliche Charakter wird dabei beibehalten. Durch vielfältig bepflanzte Balkone, Begrünung der Fassaden oder auch den Gemüsegärten fügen sich die Grundstücke in das gesamte Ortsbild durch die individuelle Gestaltung jedes Einzelnen gut ein. Von dieser lebendigen Vielfalt profitiert der gesamte Ort.

Die Häuser der Familien Saalbach und Hartwig, die Ziergärten der Familien Fromme, Knospe und Knüpffer, der Nutzgarten der Familie Arend und die Obstwiesen der Familie Fraust in der Quedlinburger Straße und die Streuobstwiese im Neuen Weg seien hier nur als Beispiel genannt.

Der ortsansässige Gartenverein "Immergrün" verfügt über zwei Gartenanlagen, die von den Bürgern intensiv genutzt und gepflegt werden. Für sie ist der eigene Garten eine Oase der Erholung und Entspannung. In den Gartenparzellen werden hauptsächlich Nutzpflanzen angebaut, die zur Selbstversorgung bestimmt sind. Über den Kreisverband der Kleingärtner nehmen die Mitglieder des Vereins regelmäßig an Ausstellungen und Veranstaltungen im Landkreis teil. So konnte der Verein sich freuen, als dieser zum 5. Landesverbandstag in Halle eine Sondermedaille für seine Gartenanlage erhielt.

Tierzucht wird leider nur noch im privaten Bereich betrieben (Hühner, Schweine, Pferde, Kaninchen, Ziegen und Tauben).


Neupflanzungen

Von der Gemeinde wurden bis heute einheimische und regional typische Obstbäume entlang der Feldwege gepflanzt. Dadurch wird eine ökologische Funktion erhalten, die einer Vielzahl von Kleintier- und Insektenarten ihren Lebensraum gibt. Durch regelmäßigen Schnitt und Pflege werden diese Bäume erhalten. Die Bepflanzung der Wege mit einheimischen Obstbäumen war schon immer der Wunsch der Gemeinderäte, denn an Feldwege gehören traditionell Obstbäume.


Aktivitäten in der Kinder- und Jugendarbeit

In unserer Gemeinde gab es von 199 - 2008 eine Arbeitsgemeinschaft "Junge Naturforscher", die unter Leitung von Ute Michaelis und mit Unterstützung der Gemeinde ins Leben gerufen wurde. Ihr gehörten ca. 20 Kinder an. Sie erkundeten in ihrer kindlichen Neugierde unsere heimische Tier- und Pflanzenwelt. Teilweise engagierten sich auch die Eltern in dieser Arbeitsgemeinschaft. Verbunden mit emotionalen Erlebnissen, wie z.B. die Verpuppung einer Raupe oder den Schlupf eines Schmetterlings, kamen die Kinder dabei in direkten Kontakt mit der Natur. Ihnen wurde gelehrt, wie empfindlich das in Millionen von Jahren entstandene Gleichgewicht in der Natur reagiert. Für ihre hervorragende naturnahe Arbeit haben wir den Umweltpreis 2001 des Landes Sachsen-Anhalt erhalten. Gemeinsam mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Ulrich Kasparick und dem Revierförster Nils Pompe pflanzten die "Jungen Naturforscher" am 25. April 2001 (Tag des Baumes) 110 Eschen hinter dem Gelände des Institutes für Kulturpflanzenforschung und Pflanzengenetik. Leider hat die Arbeitsgemeinschaft ihre Aktivitäten nun eingestellt.

Die Grundschule "Kaethe Schulken" ist ein wichtiger Teil des Ortes. Lernen und Leben drücken sich nicht nur in Klassenzimmern mit entsprechendem Unterrichtsmaterial aus. Auch das Umfeld der Schule ist Ausdruck der Liebe zur Natur. Es wurde eine Biowiese angelegt und ein "Grünes Klassenzimmer" errichtet. Eine Teichanlage lässt unsere Schülerinnen und Schüler lebensnah ein Biotop im Wechsel der Jahreszeiten erleben.
Für ihren Schulgarten hat die Grundschule beim Schulgartenwettbewerb 1997 und 2001 einen Förderpreis vom Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt erhalten.
Mit dem künstlerischen Projekt "Steine werden lebendig" erhielt die Grundschule 2002 den goldenen Floh der Schülerzeitschrift "Flohkiste". Die in Stein gearbeiteten Tiere schmücken die Anlagen des Schulgeländes und sind Ausdruck des kreativen Schaffens unserer Kinder.
Der schöne Schulgarten und der große Spielplatz mit Spielgeräten aus Naturmaterial und ein weiträumiger Pausenhof ergänzen eine natur- und umweltbewusste Schulanlage, die Teil eines optimalen Lern- und Arbeitsfeldes ist.
Die MIDEWAhat 2002 den Kindern der Schule eine Wasserkiste mit über 40 Experimenten zur Verfügung gestellt. Damit wird den Kindern plausibel gemacht, wie wertvoll Wasser heute für uns ist.


Forschung an Pflanzen

Wir haben im Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung die größte Genbank für Kulturpflanzen Deutschlands mit über 150.000 Mustern. Das ist ein großes genetisches Reservoir für die Zukunft und ein unerschöpflicher und wertvoller Genpool. Am 06.07.2000 wurde das neue Forschungsgebäude der Firma SunGene GmbH eingeweiht. Ca. 40 Mitarbeiter forschen hier an Getreidesorten, um diese gegen Kälte und Trockenheit resistenter zu machen. Ebenso arbeitet das im September 2000 fertig gestellte Genomzentrum des Institutes am Erbgut von Getreidepflanzen. Von den Ergebnissen werden in erster Linie die Pflanzenzüchter und andere Wirtschaftszweige, von der Landwirtschaft bis zur Futtermittelindustrie profitieren.
Mit der Fertigstellung des BIOTECH - Gründerzentrums am 30.10. 2000 wurde ein weiterer wichtiger Schritt für die Entwicklung unseres Ortes zu einem Biotechnologiestandort getan. Mit Hilfe von Fördermitteln ist ein modernes Gründerzentrum der Biotechnologie entstanden, in dem junge Wissenschaftler günstige Bedingungen finden, um Firmen zu gründen und ihre Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der "Grünen Biotechnologie" anzuwenden. Am 13.07. 2004 erfolgte der 1. Spatenstich für den 1. Bauabschnitt im Biopark Gatersleben. Der 2. Bauabschnitt begann am 16.11.2005 und Richtfest (Energiezentrale - 2. Bauabschnitt) wurde am 23.03.2006 gefeiert. Am 26. September 2006 wurde das Forschungsgewächshaus übergeben. Der Biopark Gatersleben wurde gebaut, da das BIOTECH - Gründerzentrum schon wenige Jahre nach Fertigstellung bereits voll ausgelastet war.
Der Biopark besteht aus einem Technologie- und Gründerzentrum (modernes Forschungsgewächshaus - 2006 -, Laborgebäude und Konferenzzentrum - 2007 -) und einem Gewerbegebiet. Damit verfügt der Standort über zwei Technologie- und Gründerzentren und ein Gewerbegebiet, in dem sich Firmen der pflanzlichen Biotechnologie ansiedeln können.


Der Friedhof

Der Gaterslebener Friedhof ist gemeinsames Eigentum der Evangelischen Kirchengemeinde und der Gemeinde Gatersleben. Durch Vertrag wurden uns alle Obliegenheiten übertragen, da die Kirche die finanziellen Mittel zum Erhalt des Friedhofes nicht mehr aufbringen konnte. Der Friedhof wird in seiner Gesamtheit gepflegt und unterhalten. Die Begräbnisstätten bestehen teilweise aus grünen Einfassungen wie Buchsbaum oder Eibe und schaffen dadurch Verbindungen von Grab zu Grab. Die aus Natursteinen bestehende Mauer am Friedhof wurde wieder neu aufgebaut. In 2008 wurde die neue Friedhofskapelle eingeweiht. Es entstand eine helle und freundliche Trauerhalle, die sich sehr gut in das Gesamtbild des Friedhofes einfügt. Auch das Umfeld und damit der gesamte Friedhof wurden neu gestaltet. Unsere Gemeinde hat damit einen würdigen Ort zum Abschiednehmen von unseren Verstorbenen.

Die Parkanlage am Oberhof

Einen besonders wertvoller Bereich von Natur und Landschaft ist die zum "Oberhof" gehörende Parkanlage. Sie gehört zum ehemaligen bischöflichen Freigut, welches 1163-1165 erbaut und 1363 wieder aufgebaut wurde. Der dazu gehörende Burggraben mit seinem Teich ist ein Anziehungspunkt für die Bevölkerung. Die zahlreichen Bänke entlang des natürlich belassenen Weges laden zur Erholung ein. Der Park umfasst alte einheimische Baumbestände mit zum Teil seltenen Arten wie Winterlinde, Stieleiche, Silberpappel und Blutbuche. Die Bäume sind auch von großer Bedeutung für eine Reihe von Arten der Vogel- und Insektenfauna. Der Park wird in seinen Bestandteilen regelmäßig von unseren Bauhofarbeitern gepflegt und so erhalten. Er ist eine Oase der Ruhe und Erholung.


Die Teichanlagen und die Selke

Der im Ortskern befindliche Heckenteich bietet Lebensraum für vielfältige Arten von Kriechtieren, Lurchen und Insekten. Vom ortsansässigen Anglerverein wird dieser Teich gepflegt und genutzt. Durch die Anbringung von Faschinen wurden betonierte Uferbefestigungen entfernt und naturnah hergerichtet. Eingefriedet von großen Bäumen ist uns so ein Biotop erhalten geblieben.

Die Fischteiche am "Alten Sportplatz" wurden 1966 mit einem 1,2 ha großem Angelteich und einem 0,35 ha großem Aufzuchtsteich angelegt. Der Angelteich wurde ebenfalls entschlammt und 1996 mit Faschinen im Uferbereich versehen. Nach dieser Erneuerung hat sich die natürliche Vegetation wieder eingestellt. Gespeist werden die Teiche von der Selke, so dass ein regelmäßiger Kreislauf vorhanden ist. Auch diese Teichanlagen werden vom Anglerverein unterhalten und gepflegt. Oberstes Anliegen des Vereins ist es, das Biotop in seinem natürlichen Charakter zu erhalten.

Die Selke als markantes ortsprägendes Fließgewässer durchzieht unseren gesamten Ort mit ihrem naturnahen Gehölzsaum als Uferbegleitgrün. Wir genießen den Fluss, in dem man heute wieder klares Wasser und Fische vorfindet. Wir kennen aber auch die Gefahren - Hochwasser !